Vorwort

Seit den 60er Jahren tritt weltweit eine neue "Kategorie" von Büchern in Erscheinung, welche die herkömmliche Form des Buches und dessen eigentliche Funktion als "Sinnträger" gleichsam sinnlich "umspielt". Die Vielfalt der Bezeichnungen für diese zwischen den Gattungen Kunstgegenstand und Schriftwerk flottierenden Objekte, welche sich dem ordnungsheischenden Geist der Eindeutigkeit und Zuordenbarkeit immer wieder gewitzt entziehen, entspricht der Vielgestalt der Erscheinungsformen: Bücher-Kunstwerke, Bücher-Objekte (Livres-Objets), Performance-Bücher (Livres de Performance), Konzeptuelle Bücher (livres conceptuels)... sind nur einige der tastenden Begriffe, in denen das Gemeinte freilich nicht ohne Rest aufgeht.
Im Sinne einer Erweiterung des "Kulturvertrages" des Buches sind diese Objekte bestrebt, "Fragen über das Bild, die Schrift sowie das Buch als materielles Objekt und als Kunstwerk aufzuwerfen und Gefühle, Gedanken, Phantasien und bisher unbekannte Genüsse hervorzurufen".
Auf die provozierende Frage von Diter Rot: "wozu dieser Kram hier gemacht worden sei", gibt Demosthene Agrafiotis im fiktiven Dialog zweier Buch-Künstler zur Antwort: "Der Nutzen von "Künstlerbüchern", das heißt der Bücher, die jedes für sich ein Einzelwerk sind und kein Mechanismus zur Verbreitung eines (lyrischen, malerischen, photographischen usw.) Werks ist vielfältig [und kombiniert sich] mit dem Wunsch nach einer gleichzeitig existierenden alternativen Kunst [...] mit der "Utopie" der Überwindung der Grenzen zwischen Künstler und Nicht-Künstler, Herstellung und Handel, großer und kleiner Kunst [...]. Diese Welt erhält heute eine besondere Bedeutung, da die neuen Technologien papierlose Bücher und den Transport von Informationen über Super-Datenbahnen (information super highways) in Aussicht stellen".
Quellen:
www.gisi.gr/strousa/frankfurt/homede.html
www.artistbooks.de

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